Fall Peggy: Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft

Quelle:

https://www.sueddeutsche.de/bayern/lichtenberg-fall-peggy-koennte-nach-jahren-aufgeklaert-werden-1.4249552

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Warum Holger E. im Fall Peggy verdächtigt wurde

Holger E. steht wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht. Wir haben mit Autor Christoph Lemmer gesprochen, der ihn in seinem Buch als heiße Spur im Fall Peggy bezeichnete.

Bereits kurz nach dem Verschwinden von Peggy Knobloch geriet er in das Visier der Ermittler: Holger E. Die Spur wurde aber erst Jahre später bei der Wiederaufnahme des Falles verfolgt. Weil ihm keine Tatbeteiligung nachzuweisen war, stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen im Fall Peggy gegen ihn ein. Seit heute steht Holger E. wegen eines anderen Falles vor Gericht. Der heute 31-Jährige soll als 17-Jähriger seine Nichte missbraucht haben. Holger E. sitzt bereits in Haft, weil er seine eigene Tochter missbraucht haben soll.

Im Prozess am Dienstag wird es zwar nicht um den Fall Peggy gehen. Brisant ist er aber trotzdem: Denn die Nichte war mit der vor 14 Jahren verschwundenen Peggy aus Lichtenberg befreundet. Auch Holger und Peggy kannten sich. Über die Rolle von Holger E. im Fall Peggy sprachen wir mit Christoph Lemmer, der zusammen mit Ina Jung das Buch „Der Fall Peggy“ geschrieben hat.

Sie haben bereits 2013 in Ihrem Buch geäußert, Holger E. sei für Sie sehr verdächtig. Hat sich bei Ihnen dieser Verdacht mittlerweile verhärtet oder haben Sie ihn aufgegeben, weil in diesem Zusammenhang Holger E. nichts nachgewiesen werden konnte?

Lemmer: Im Fall Peggy war es die plausibelste Spur für mich. Das zeigt auch unter anderem der Prozess, der am Dienstag beginnt, da es viele Parallelen zum Fall Peggy gibt. Außerdem gibt es viele Indizien. Zum Beispiel, dass Holger E. in Vernehmungen bezüglich seines Alibis gelogen hat. Er hatte behauptet, zur Tatzeit in der Berufsschule gewesen zu sein, was nicht stimmte. Zudem behauptete er, er sei das letzte Mal im Sommer 2000 in Lichtenberg zu Besuch gewesen. Seine Oma aber plauderte später aus, dass er im Januar 2001 noch dort gewesen war. Im Laufe des Verfahrens musste er immer mehr einräumen. Auch, dass es Küsse zwischen ihm und Peggy gegeben hatte und sie einmal auf seinen Bauch gesprungen war. Zuvor hatte er sämtliche Zärtlichkeiten zwischen ihm und dem Mädchen abgestritten. Und in der Zeit, in der sich Peggys Zustand verschlechterte, war Holger E. immer öfter in ihrer Nähe gewesen.

Holger E. stand 2013 im Zuge der Wiederaufnahme des Falles Peggy im Visier der Ermittlungen. Ihm konnte aber nichts bewiesen werden. Ist Ihrer Meinung nach in dem Verfahren etwas schief gelaufen?

Lemmer: Man hat sich mit dieser Spur in dieser Konsequenz viel zu spät befasst. Das Umfeld von Holger E. wurde einfach zehn Jahre zu spät untersucht. Die Ermittler hatten 2001 schon eine Spur zu ihm, aber die wurde einfach viel zu schnell aufgegeben. Zehn Jahre später ist es wieder nicht zu einem Ergebnis gekommen. Vermutlich bleibt der Fall Peggy für immer ungeklärt.

Gibt es für Sie denn noch eine andere Spur, einen anderen Verdächtigen?

Lemmer: Ich wüsste keine andere Spur. Zumindest keine, die es trägt. Es gab immer wieder Gerüchte in diesem Fall. Aber beim näheren Hinschauen haben die sich alle als Seifenblase herausgestellt. Manche sprechen davon, Peggy sei nach Tschechien entführt worden. Auch das konnte man nicht nachprüfen. Nach so langer Zeit spricht auch nicht viel dafür, dass Peggy noch lebt. Manche Seite brachte auch Ulvi K. wieder ins Spiel. Aber vermutlich nur, um Holger E. zu entlasten.