Sippenhaft und Psychoterror: Friedrich Wilhelm von Hase, Sohn eines Widerstandskämpfers, stellte in Mannheim sein Buch „Hitlers Rache“ vor!

Viel ist geschrieben worden über die Widerständler des 20. Juli, über das missglückte Attentat auf Hitler in der Wolfsschanze und die Operation Walküre – die missglückte Machtübernahme des Heeres. Das Buch „Hitlers Rache“ von Friedrich Wilhelm von Hase widmet sich dem Schicksal der Angehörigen. Denn auch die Frauen und Kinder der Widerständler traf der Vergeltungsschlag der Nationalsozialisten mit voller Härte. Der Autor stellte sein Buch im jüdischen Gemeindezentrum in Mannheim vor.

Nach Graf Stauffenberg und seinen Mitstreitern sind heute Straßen und Plätze benannt, es gibt Gedenkfeiern und Spielfilme. Weniger bekannt ist, was nach dem 20. Juli 1944 mit den Familienangehörigen der Widerstandskämpfer passierte. Friedrich Wilhelm von Hase hat die Schicksale in seinem Buch „Hitlers Rache“ aufgearbeitet.

Er ist das jüngste Kind von Generalleutnant Paul von Hase, der Mitglied in der Offiziersclique war, die den Widerstand gegen Hitlers Regime plante. Als Stadtkommandant von Berlin gab er den Startschuss für die „Operation Walküre“. Als Spross einer alten Theologenfamilie und Neffe Dietrich Bonhoeffers sei er den Nazis von Anfang an kritisch gegenübergestanden, erzählte sein Sohn. Von Hase kennt Mannheim gut: Von 1979 bis 1983 arbeitete er am Reiss-Museum, den heutigen Reiss-Engelhorm-Museen. Nach seinem Schulabschluss hatte er Archäologie in Göttingen und Rom studiert.

„Ich freue mich über einige bekannte Gesichter im Publikum“, sagte der 78-Jährige, der sich in seinem Buch nicht nur mit der Veröffentlichung persönlicher Erinnerungen begnügt, sondern diese auch von Historikern einordnen lässt.

Im ersten Teil schildert von Hase die Geschehnisse aus Sicht seiner Mutter sowie seiner Geschwister Ina, Maria und Alexander. „Manche Erinnerungen wurden erst viele Jahre später zu Papier gebracht“, erklärte er. „Doch auch Briefe und Tagebucheinträge aus dem Jahr 1944 sind dabei.“ Friedrich Wilhelm von Hase selbst war damals erst sieben Jahre alt. Während seine Mutter und seine älteren Geschwister ins Gefängnis mussten, wurde er in ein Nazi-Kinderheim in Bad Sachsa verschleppt. Dort waren einige Kinder der Widerstandskämpfer untergebracht. Bevor Friedrich Wilhelm von Hase über seine Erinnerungen sprach, las die Autorin Franziska Polanski aus den Erinnerungen seiner Mutter Margarethe von Hase.

Sie kam unmittelbar nach dem versuchten Attentat ins Gefängnis in Berlin-Moabit, wo sie wochenlang nichts über den Verbleib ihrer Kinder oder das Schicksal ihres Mannes erfuhr – das und die Einzelhaft waren der reinste Psychoterror. Dazu kamen stundenlange Gestapo-Verhöre.

Dass ihr Mann bereits am 8. August 1944 in Plötzensee gehängt worden war, erfuhr sie erst viele Wochen später. Sie selbst rechnete täglich damit, hingerichtet zu werden – so wie viele der Frauen in ihrem Zellenblock. Unter dieser Ungewissheit und der Todesangst litt auch ihre damals 20-jährige Tochter Maria, das wird aus ihren eindringlichen Tagebucheinträgen deutlich. Selbst als die Familie wieder frei und bei Freunden im Harz untergekommen war, blieb die Angst vor den Nazis. Obwohl die Amerikaner auf dem Vormarsch waren, habe man damit gerechnet, dass die Gestapo auftauchen und blutige Rache nehmen würde, erzählte Friedrich Wilhelm von Hase. Nicht nur die Geschichten seiner eigenen Familie hat der Archäologe gesammelt, auch die vieler anderer betroffener Angehöriger, unter anderem die Söhne von Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Der zweite Teil des Buchs besteht aus Artikeln, die die geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe zu den Geschehnissen am 20. Juli beleuchten und sich beispielsweise mit der Sippenhaft, dem Fahneneid oder dem Volksgerichtshof befassen.

Besonders tragisch ist der Aspekt, dass die Widerständler nach dem Krieg lange Zeit als Vaterlandsverräter gebrandmarkt und ihre Familien deshalb Repressalien und Schmähungen ausgesetzt waren. Nicht von ungefähr kommt es da, dass mit Ausnahme Friedrich Wilhelm von Hases seine Mutter und seine Geschwister Deutschland den Rücken gekehrt haben.

Quelle: http://www.rnz.de/nachrichten/mannheim_artikel,-Sippenhaft-und-Psychoterror-_arid,118332.html

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